Das eigene Ich verhandelte der Literatur- und Theaterkurs in diesem Schuljahr als erste Theatergruppe in unserer neu renovierten Aula. Die Zuschauer hatten die Freude, am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, im selbst erstellten Stück „Reality unfiltered“ unterschiedliche Ichs zu sehen: Zu große Ichs in überhaupt nicht zu hohen Schuhen, vordergründig dumme Ichs mit erstaunlich viel Brain, Ichs in Siegerhaltung, vermeintlich schüchterne Ichs wie vom Lande, rebellische Ichs, Ichs, die von ihrem tristen Job leben müssen und Ichs, die so gar nicht in das TV- Format der Reality-Soaps passen.
Das eigene Ich reicht schon in dieser, unserer heutigen Welt, denn Content kommt schon von selber hinterher. Da muss man sich auch keine Gedanken machen, außer man erhält zu viel Hate in den Sozialen Medien. Dann kommen die Psychologen zum Zug und zusammen mit der Regisseurin rät man den Reality-Soaps-Stars, „einfach noch ein bisschen mehr“ zu weinen. Das eigene Ich braucht einfach nur Aufmerksamkeit – welche ist gleichgültig und der Weg zu mehr Aufmerksamkeit interessiert auch keinen. Aufmerksamkeit ist Währung für das Ich und für die Filmcrew.
Die Figuren, mal hübsch, mal nerdig, mal cool, mal schüchtern, mal rebellisch, sollten, „wenn sie schon dumm [sind], dann wenigstens nicht hässlich“ sein. Ihr Interesse liegt eindeutig am vielleicht leichten Geld, schnell verdient. Sie reflektieren ihre Situation, schauen einmal mehr ins Kleingedruckte, erkennen die psychische Last der Aufmerksamkeit, dabei wollen sie doch Darstellende Künste, Sozialpädagogik oder Mode studieren. Sie erfassen ihre Situation, sie begreifen, dass ihr echtes Ich eigentlich ganz anders ist, aber dummerweise keinen interessiert, den Algorithmus am wenigsten.
Und die TV-Crew? Sie castet schon die nächsten Nerds, Rebellen, Püppchen und Poser. Charmant, kurzweilig und anregend beleuchtete die Gruppe unter der Leitung von Frau Michel ein gesellschaftlich relevantes Thema kurz bevor die Reise der A bis Z-Promis im australischen Urwald beginnt.
Gedankt werden soll an dieser Stelle auch der Licht- und Tontechnik-AG unter Leitung von Herrn Zimmermann, die wie immer verlässlich im Hintergrund gearbeitet und für das richtige Licht und die entsprechende Lautstärke gesorgt hat.

Von Kathrin Klaschik